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Ist unser Gebiss als zuverlässiger Indikator geeignet?

Hier würde ich eher mit „Nein“ antworten. Denn ich denke, dass die Mainstream-Wissenschaft bei dieser Frage vollkommen auf den Holzweg ist. Dazu muss man erstmal verstehen wie Evolution funktioniert. Der Spruch „die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ trifft es da sehr gut. Nur dass dieses Prinzip für unseren ganzen Organismus gilt. Für Organe, Muskeln, Hirn, Hormonsystem, Genetik, Knochengerüst und eben auch dem Gebiss. Alles passt sich über längere Zeit hinweg seinen Anforderungen an.

Die gängige Theorie besagt ja nun salopp gesprochen, dass der Verzicht auf Rohfleisch ein wesentlicher Teil während der Entwicklung zum „Homo“ war und wir erst im Laufe der Evolution lernten das Feuer zu nutzen und so wieder begannen Fleisch zu konsumieren. Allerdings heisst es auch, dass wir ab der Evolutionsstufe „Erectus“ wieder Fleisch konsumiert haben, da wir in dieser Zeit lernten, uns das Feuer zu Nutze zu machen und es daher wieder kauen konnten.

Nun gibt es zwischen „Schimpanse“ und „Erecuts“, laut Theorie, aber nur eine weitere Stufe. Diese nennt man „Antecessor“. Allerdings ist die Existenz und Bedeutung dieser Stufe höchst umstritten, da es keine Funde gibt, die seine Existenz als eigenständige Evolutionsstufe ausreichend bestätigen. Und selbst wenn man mal davon ausgeht, dass dieser Antecessor als eigenständige Evolutionsstufe existiert hat, ist soweit überhaupt nichts über seine Ernährung oder seinem Umgang mit Feuer bekannt. All diese Theorien zusammengefasst bedeuten also, dass es eigentlich keinen Anlass dazu gibt, anzunehmen, der Mensch sei jemals ein reiner Pflanzenfresser gewesen. Ich verfolge jedenfalls eine andere These. Ich glaube, dass es in unserer Evolutionsgeschichte nie eine fleischlose Zeit gab. Und die Veränderung unseres Gebisses und unseres Hirns erkläre ich mir ein wenig anders.

Während des Erlernens des aufrechten Ganges, haben wir auch irgendwann gelernt das Feuer zu beherrschen. Durch die Beherrschung des Feuers und der Entwicklung des aufrechten Ganges, fanden mehrere Entwicklungen parallel statt, welche sich gegenseitig förderten und ineinander griffen. Denn Feuer ist nicht nur eine Wärmequelle sondern auch eine Lichtquelle und ein Jagdinstrument. Und so fand der eigentliche Evolutionssprung zum Menschen erst statt.

Diese Prozesse waren unter anderem:

- Neue Möglichkeiten den Alltag zu strukturieren, da man sich nun vom Tages-Nacht-Rythmus unabhängig machen konnte.

- Die Jagd taktischer und effizienter zu gestalten, was zur Förderung vielerlei kognitiver Fähigkeiten führt. Und im Laufe der Entwicklung nahmen diese Fähigkeiten immer mehr zu. Zum Beispiel durch Werkzeugbau, Waffenbau, Hausbau, etc.

- Die Erhöhung der tierischen Eiweißzufuhr, da die Erträge wesentlich höher und regelmäßiger waren. Erhöhung, nicht Wiederaufnahme!

- Eine Entlastung des Gebisses durch das Erhitzen des Fleisches wodurch die Reißzähne nutzlos wurden und sich langsam zurückbildeten.

- Ein, durch all diese Punkte, bedingter Wachstum des Hirns und eine entsprechende Verschiebung der Schädelressourcen.

- Weiterhin wird vermutlich auch die Entwicklung zum aufrechten Gangs (Wirbelsäule, Gewichtsverlagerung des Kopfes) und die Anpassung des Magen-Darm-Traktes (weniger Energieverbrauch der Verdauung wegen des Garens) hier wesentlich mitgewirkt haben.

All diese Dinge fanden über etliche Generationen statt. Und vermutlich noch wesentlich mehr.

Der wesentliche Kernpunkt ist: Das Gebiss hat sich verändert, weil die Reißzähne erst durch das Feuer keinen praktischen Nutzen mehr hatten. Und nicht, weil wir erst aus unerfindlichen Gründen irgendwann mal ganz aufhörten und dann aus ebenso unerfindlichen Gründen wieder anfingen.

Welche der Theorien nun aber richtig oder falsch ist, sei mal dahingestellt. Darauf kommt es mir garnicht an. Es wird lediglich deutlich, dass diese Entwicklung nicht an wenigen einzelnen Punkten festzumachen ist. Es ist eher ein hochkomplexer biologischer Prozess über Jahrmillionen hinweg gewesen, der nur Vermutungen zulässt. Selbst unter Wissenschaftlern ist dieses Thema sehr umstritten.

Aber bei einer Sache bin ich mir ganz sicher. Die Natur ist so komplex und so symbiotisch vernetzt, dass solche argen Veränderungen nicht im Einzelnen und nicht linear stattfinden können. Der Mensch ist, in der Regel, aber nur in der Lage linear zu denken. Und das führt uns oft in eine falsche Richtung.

25.3.16 08:39

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