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Was ist eigentlich „artgerechte Ernährung“?

Erst einmal möchte ich erläutern, dass ich die Einteilung von Lebewesen in Pflanzen- und Fleischfresser für ein Dogma und eine falsche Herangehensweise halte.

Leider ist es so sehr in unser eigenes Weltbild implementiert, dass wir uns garnicht mehr die Zeit nehmen, das mal genauer zu hinterfragen. Genauso wie beispielsweise die Jäger&Sammler-Theorie, die genetische Relevanz für Krankheiten, die „Survival of the fittest“- Theorie, die Unterteilung mehrerer Hauttypen, das Urknall-Modell oder das Eulen&Lerchen-Modell aus der Schlafforschung. Alles Theorien mit denen ich mich nicht anfreunden kann, da sie zu Ende gedacht einfach keinen Sinn machen und in unserer Logik nur funktionieren, weil man sowohl entscheidende Faktoren wie auch handfeste Widersprüche nicht sieht oder sehen will. Aber da gehe eventuell ein anderes mal näher drauf ein.

Reine Pflanzenfresser und Fleischfresser gibt es, bis auf wenige Ausnahmen, in der Natur nicht wirklich.

Eine Kuh oder ein Kaninchen fressen das Gras auf der Weide. Doch auf und in diesen Gräsern leben wiederum viele Tiere, die einfach ungeachtet mitgefressen werden: Spinnen, Läuse, Käfer, Schnecken, Insekteneier etc. Der extrem hohe Eiweißgehalt dieser Tiere ist allgemein bekannt. Und anhand dessen, wieviel Pflanzen von vermeintlichen Pflanzenfressern gefressen wird, vermute ich, dass dieser Fleischkonsum auch entscheidend für deren Gesundheit ist.

Andersrum ist es ganz ähnlich. Fleischfresser kann man öfters dabei beobachten, wie sie Gras fressen. Bei Hunden und Katzen kann man es direkt sehen. Über die tatsächlichen Beweggründe und Relevanz für deren Gesundheit kann man nur spekulieren. Das spielt aber eigentlich auch keine Rolle. Es geht erstmal nur darum, aufzuzeigen, wie sehr man sich durch diese blind-kategorische Denke verläuft. Besonders wenn man reflektiert, in welchem absurden Ausmaße Menschen sich darüber streiten.

Was es hingegen aber tatsächlich zu geben scheint, ist der Fokus auf eine bestimmte Nahrungsquelle. „Pflanzenfresser“ jagen nicht gezielt nach Tieren und „Fleischfresser“ werden alleine von Gras nicht satt und würden auch nicht lange überleben.

Die Definition der artgerechten Ernährung finde ich daher sehr spannend. Ich verfolge hier einen ganz eigenen Ansatz. Artgerechte Ernährung definiere ich als; „Sich von dem zu ernähren, was einem Wesen gemäß seiner intellektuellen, physiologischen und regionalen Möglichkeiten sowie sozialen Strukturen zur Verfügung steht“. Das ist jetzt erstmal sehr allgemein. Aber es scheint mir von jeder Position eines jeden Lebewesens aus erstmal sinnvoll und zutreffend zu sein.

Als Ausgangspunkt für uns Menschen orientiere ich mich an unsere Vorfahren: Dem Schimpansen und den Urvölkern. Diese ernähren sich im Wesentlichen von denselben Dingen wie wir es heute tun. Bleiben und blieben jedoch weitestgehend von unseren Zivilisationskrankheiten verschont. Die Forschung rätselt angeblich heute noch darüber, warum das so ist. Nun, für mich ist das relativ eindeutig.

Der große Unterschied der natürlichen Ernährung gegenüber der Mainstream-Ernährung besteht in der Balance aus Qualität und Quantität. Das bedeutet Frische, Schadstofffreiheit, natürliche Lebensumstände, Vielfalt, Ausgewogenheit. Und dies ist auch der einzige gemeinsame Nenner der ganzen Ernährungstrends und bietet damit eine Erklärung, warum sie trotz widersprüchlichen Sichtweisen dennoch funktionieren.

Schimpansen sind also Allesfresser. Der Hauptbestandteil ihrer Ernährung besteht aus Obst, Samen, Gemüse, Nüssen, Kräuter, Blätter, Pilzen und kleinen Insekten.

Größere Mengen Fleisch spielen scheinbar nur eine untergeordnete Rolle. Haben dafür aber einen hohen sozialen Stellenwert. Denn sie jagen eher selten und es ist, genau wie das Fressen der Beute, ein Gruppen-Event. Wer sich etwas in Psychologie auskennt, der weiß, dass solche Rituale bei uns Menschen für das Gefühl des familiären Zusammenhalts äußerst wichtig sind. Und ich kann von mir zumindest behaupten, dass ich, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dieses Bedürfnis auch in mir verspüre. Wenn die Familie gut miteinander auskommt, sind gemeinsame Mahlzeiten eines der schönsten Ereignisse eines Tages. Es ist naheliegend, dass dies bei Affen ganz ähnlich ist. Urvölker hingegen machen daraus sogar Zeremonien und Feste.

Daraus lässt sich also ableiten, dass menschspezifische artgerechte und gesunde Ernährung bedeutet, den Fokus auf pflanzliche, frische Lebensmittel zu legen und Tierprodukte in Maßen zu konsumieren. Außerdem auch wieder ein Bewusstsein und eine gewisse Demut für Genuss, Qualität, Vielfalt und Kreativität zu entwickeln. Das können wir am Besten, in dem wir wieder anfangen unsere Gerichte aus frischen Lebensmitteln selbst zu zubereieten. Eine geeignete Ausgewogenheit aus Pflanzen- und Tierprodukte beziehungsweise Qualität und Quantität ergibt sich passenderweise schon fast von alleine, wenn man, im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten, bei der Lebensmittelauswahl, die Priorität auf Qualität statt auf den Preis legt. Und sich mit der Vielfalt der Pflanzenwelt mal praktisch auseinandersetzt.

Anmerken sollte man allerdings auch, dass Tierprodukte nicht essentiell für unsere Gesundheit sind. Alle Nährstoffe sind durch vollwertige pflanzliche oder pilzartige Lebensmittel zu bekommen. Manchmal muss man nur einfach länger suchen und etwas um die Ecke denken, weil die zivilisierte Lebensweise und der ökologische Zustand sich so sehr von der Natur entfernt hat.

25.3.16 08:43

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