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Ist Bio per se besser als konventionell?

Wenn wir davon ausgehen, dass alle konventionellen Bauern und alle Biobauern ihre Landwirtschat 100% so ausführen, wie es offiziell vorgeschrieben und empfohlen wird, ganz sicher: Ja. Denn Bio bedeutet zusammengefasst: Mehr Platz, mehr artgerechtes Futter, mehr natürliche Lebensumstände. Weniger Schadstoffe, weniger Stress. Dies gilt sowohl für Tiere als auch für Pflanzen. Und man sollte sich auch nicht der Illusion hergeben, dass Pflanzen durch das Abwaschen schadstofffrei wären. Denn sie nehmen diese Schadstoffe vor allem auch durch ihre Wurzeln, zusammen mit dem Wasser und Nährstoffen, in sich auf. Aber ganz so einfach ist es mit dem Bio bei genauerem Hinsehen dann eben leider doch nicht.

Erst einmal muss man wohl zwischen Bio-EU und Bioverbänden unterscheiden. Die EU-Bio-Richtlinien könnte man als verbesserte konventionelle Landwirtschaft bezeichnen. Bio ist im Trend und erlebt gerade eine Hochzeit. Die Industrien wollen natürlich das größte Stück vom Kuchen abgreifen und dazu braucht es ein Siegel. Denn Menschen vertrauen in Siegel. Das Geld landet hier meist aber einfach an falscher Stelle. Denn Bio-EU ist in der Regel kein Bio aus eigener Überzeugung sondern Bio aus Angst vor Profitverlust (meist, nicht immer!). Ich denke, dies ist ein offenes Geheimnis. Nichts desto trotz ändert es auch nichts an einer erhöten Qualität der Produkte. Die Verbesserung ist schon deutlich spürbar. Das sollte man natürlich nicht verschweigen. Allerdings ist „besser“ auch nicht immer gleich „gut“ und schon garnicht „optimal“.

Die Bio-Verbände hingegen verdienen an ihren Produkten nicht viel. Das liegt zum Einen an ihren hohen Kosten, zum Anderen an den hohen Preisen, die viele Menschen nicht bereit sind zu zahlen. Entweder weil sie es nicht wollen oder nicht können. Vergleicht man die Richtlinien mit EU-Bio, wird der Unterschied auch deutlich. Also kann man sich der Überzeugung dieser Verbände relativ sicher sein. Neben den bekannten großen Verbandsmarken wie Bioland oder Demeter gibt es oft auch regionale, eher unbekannte, Verbände. In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel „Thönes“. Es macht Sinn sich darüber mal zu informieren.

Allerdings muss man sagen, dass diese Richtlinien eben nur Richtlinien sind. Ein Stück Papier, welches eigentlich wenig über das Wohlbefinden von Lebewesen aussagt. Und leider ist es tatsächlich so, dass die Bauern für die Kosten einer Prüfung und Zertifizierung auch noch selbst aufkommen müssen. Diese Kosten fließen dann natürlich auch in die Preise mit ein. Doch das können oder wollen sich viele Bauern nicht immer leisten, obwohl sie diese Richtlinien vielleicht schon erfüllen würden und setzen daher mehr auf Vertrauen gegenüber ihren Kunden. Und daneben gibt es noch normale Marken, die mehr Bio sind, als es Biomarken überhaupt sein können weil Landfläche, Gesetzgebungen und Wetterverhältnisse vielleicht einfach diese Möglichkeiten bieten.

Es macht also Sinn über den Tellerrand zu schauen, in dem man auf Wochenmärkte oder Bauernhöfe fährt um mit den Leuten zu sprechen und sich einen Eindruck zu machen. Oftmals kann man dabei auch gute Konditionen aushandeln und man hat ein gutes Gewissen dabei, das Geld an der richtigen Stelle zu lassen. Ich halte den Gedanken des direkten Bezugs für äußerst wertvoll, wenn es um ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit geht, da das Geld so garnicht erst in die großen Handelsketten fließt, die umweltschädliche Vorgehensweisen fördern.

Damit will ich im Grunde dasselbe sagen, wie bei den Studien. Ein Siegel bietet eine Orientierung. Es ist als absoluter Indikator für Bio nach ethischem Verständnis aber nicht entscheidend. Es macht, ungeachtet eines Siegels, immer Sinn hinter die Fassade zu schauen. Welche Philosophie vertritt der Erzeuger? Mit welchen Vereinen arbeitet er zusammen? Gibt er mir die Möglichkeit mit ihm persönlich Kontakt aufzunehmen? Wie geht er auf kritische Fragen ein? Welche Erfahrungen habe ich mit seinen und anderen Produkten gemacht? Am Ende des Tages ist es natürlich auch immer eine Frage von Zeit und Geld. Aber man muss nicht alles auf einmal wissen und richtig machen. Ab und zu kann man sich die Zeit dafür nehmen.

25.3.16 08:47

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