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Sind wissenschaftliche Studien als Indikator für richtig oder falsch geeignet?

Bevor man einer Studie zu sehr vertraut, sollte man meiner Einschätzung nach erstmal bestimmte Kriterien überprüfen. Wer hat diese Studie finanziert? Wer hat sie in Auftrag gegeben? Welches Ergebnis hat man erwartet und welches hat man erhalten? Wer hat die Studien durchgeführt? Wie wird das Ergebnis und die Abweichung vom erwarteten Ergebnis interpretiert? Wie wird das Ergebnis formuliert und kommuniziert? Wurden qualitative, quantitative und individuelle Unterschiede ausreichend differenziert berücksichtigt? In den meisten Studien und Vorträgen, die ich so kenne, ist das leider eher nicht der Fall. Und das lässt sich meist schon anhand unterschwelliger Diffarmierungen, persönlichen Neigungen oder fehlender Erklärungen feststellen. Aber das ist sehr Instituts- und Forscherabhängig. Ich habe schon beide Seiten kennengelernt. Und das ist wohl der wichtigste Punkt. Wissenschaft wird von Forschern gemacht und Forscher sind auch nur Menschen.

In vielen Fällen ist es äußerst schwer, überhaupt an erweiterte Informationen heranzukommen. Denn man forscht und publiziert großteils nur noch ergebnisorientiert und ergebnisreduziert. Um Ergebnisse einigermaßen richtig interpretieren zu können, braucht man jedoch sehr viel mehr Hintergrundinformationen als meist gegeben wird. Und man braucht oft Antworten auf Fragen, die man einer Studie nicht stellen kann, weil eine Studie weder denken noch sprechen kann. Das geht nur im direkten Austausch mit den Forscherteams.

Wie „gut“ Studien funktionieren, wird unter Anderem an den heutigen Ernährungstrends deutlich. Kleines Beispiel: Ein Veganer verteufelt alle Tierprodukte, ein Paleoaner verteufelt Getreide, Hülsenfrüchte und Tiermilchprodukte, ein Vegetarier verteufelt Fleisch (aber keine Tiermilchprodukte). Alle 3 Stile konsumieren viel von Etwas, was laut einem anderen Stil krankmachend sein soll und haben ihre passenden Studien dazu parat, welche belegen können, wie ungesund die Produkte doch seien. Dennoch scheinen sie alle relativ gesund zu leben. Komisch oder nicht? Allem Anschein nach gibt es also einen gemeinsamen Nenner. Darauf komme ich später noch einmal zurück.

Ich könnte noch viel mehr Beispiele nennen. Ich möchte mit diesem Beispiel nur verdeutlichen, dass Studien nicht wahrheitsgemäßer sind oder sein können als die eigene Wahrnehmung und Erfahrung. Denn dazu benötigt es weiterhin viel mehr Aspekte, die man garnicht allgemeingültig erforschen kann. Beispielsweise der individuelle Lebensstil (Bewegung, Pflege, Biorythmen), der Kontext der restlichen Ernährung, die eigene Magen-Darm-Gesundheit, Herkunft, Qualität und Quantität der einzelnen Lebensmittel, individuell-genetische Dispositionen und so weiter.

Desweiteren halte ich es für äußerst fragwürdig in welchem Maße wir intellektuell überhaupt in der Lage sind, die biochemische Welt ausreichend nachvollziehen zu können. Ich glaube, wir betreten hier Welten, welche wir aus gutem Grunde nicht mit dem bloßem Auge sehen können. Denn es handelt sich dabei um einen Komplex der unsere Vorstellungskraft maßlos übersteigt. Allerdings glaube ich auch, dass wir diese Dinge garnicht verstehen müssen, um zu wissen, was richtig und was falsch ist.

Nichts desto trotz muss man den Studien ihre empirische Beweiskraft in Einzelfällen auch zugestehen. Und das tue ich auch. Man sollte sie nur nicht so überbewerten, wie es mittlerweile zur Norm geworden ist. Das Problem liegt weniger in den Versuchen und Ergebnissen sondern viel mehr in der Interpretation dieser Dinge. Sowohl seitens der Forscher als auch der Medien, die sie publizieren und den Lesern. Informationen werden durch menschliche Färbungen gefiltert und bewertet und als sachlich verkauft. Man nimmt sich garnicht mehr die Zeit Informationen zu verarbeiten, sie in einem gähren zu lassen und drüber nachzudenken.

Und darauf bauen sich dann Weltbilder und Normalitäten auf, die bei genauer Betrachtung eigentlich jeder Vernunft entsagen. Man vertraut darauf, weil die Wissenschaft für die Öffentlichkeit längst zu einer Ersatzreligion verkommen ist, welche unser eigenes kritisches Denken zu ersetzen vermag und damit Teile unserer eigenen geistigen Freiheit und Individualität beraubt. Das halte ich für äußerst bedenklich. Denn man sucht in der Regel mittlerweile nur noch nach Antworten, welche von außen kommen und die eigene Problematik bestätigen (und eine passende „Lösung“ parat haben). Anstatt unterschiedliche Erfahrungswerte zu zulassen, daraus Zusammenhänge herzustellen, Widersprüchen auf den Grund zu gehen und nach einer Quintessenz zu suchen, aus der sich eigene Lösungswege herausfiltern oder gestalten lassen. Und das macht uns nebenbei bemerkt auch politisch, sozial und finanziell lenkbar.

Das war jetzt etwas ausführlicher und philosophisch aber das sind meine Gedanken zum Totschlagargument "Studie X sagt dies und das".

Damit möchte ich aber nicht zur pauschalen Ablehnung aufrufen. Ich rate dazu Fragen zu stellen und Überlegungen anzustellen. Selbst anfangen wissenschaftlich zu denken. Alternative Ideen zu erdenken und die Sinnhaftigkeit, Zusammenhänge und Logik zu hinterfragen. Studien sollte man vielleicht erstmal als Informationsquelle (statt als Wissensquelle!), Inspirationsimpuls, Denkanstoß oder Orientierungspunkt ansehen. Im Zweifel aber mehr Vertrauen in die eigene Intuition, Empfindung und Logik legen. Ich denke selbstständig und das tue ich selbst und ständig. Und ich hoffe, ich kann hiermit euch dazu inspirieren, dies auch zutun.

25.3.16 08:48

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